Operation Medizinstudium

Wer soll schon wissen, was im Leben richtig ist? Hier soll es vornehmlich um mein Medizinstudium gehen, welches in genau einer Woche richtig anfängt (WS16/17)

Vielleicht sollte ich damit anfangen, meine Motivation zu diesem Fach zu erklären. Ich komme aus dem schönen Norden Deutschlands und wohnte sehr nah an der Ostsee. Nun hat es mich in die Mitte Deutschlands nach Hessen verschlagen. Ich bin 18 Jahre alt und fühle mich noch nicht so erwachsen, wie die Worte „Studentin“ und „ausgezogen“ suggerieren. Aber man wird ja auch nicht mit einem Schlag erwachsen; zumindest lese ich solche Sätze immer in Büchern.

Ich bin liebend gerne in die Schule gegangen und habe mich immer unheimlich auf den Unterricht gefreut, da ich es es als Privileg empfand und immer noch empfinde, lernen zu dürfen. Am meisten habe ich tatsächlich Mathe, Physik und Biologie geliebt. Ja, geliebt ist das richtige Wort dafür 🙂 Deshalb habe ich mich sehr schwer mit meiner Entscheidung getan, ob ich nun Physik oder Medizin studieren möchte.

Zugegebenermaßen habe ich mit viel Freude (und deshalb auch ziemlich leicht) ein sehr gutes Abitur (1,0) erreicht, weswegen mir beide Fächer offenstanden. Ich hatte für beides Zusagen bekommen. Da ich vor allem eben Naturwissenschaften und Logik mag, war ich sehr zu Physik geneigt, habe mich allerdings (fünf Tage vor der Frist) für Medizin entschieden! Und zwar habe ich angefangen über das Studium zu lesen und welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen. Und war auf einmal fasziniert von dem menschlichen Körper und wie wenig man darüber weiß, obwohl man selbst ein Mensch ist.

Ich konnte und kann es kaum fassen, dass man selber nicht weiß, welche Bereiche des Gehirns für welche Aufgabe zuständig sind, trotz dem man es gerade benutzt. Aber (außer die Medizinstudenten) werden es vermutlich nicht so viele so genau kennen… Oder könntest du mit aus dem Stand sagen, was der Hippocampus, der Thalamus oder Hirnlappen für Aufgaben haben? Ich kann das (bis jetzt) nicht, denn in Biologie in der Schule lernt man zwar die evolutionären Verhaltensmuster von Pfauen während der Paarungszeit (Aufstellen des Gefieders usw.), was auch sehr spannend ist, aber selbst in der Neurobiologie geht es sehr selten über eine einfache Erklärung des Gehirns hinaus (oder anderen Körperteilen). Deshalb auf in das Abenteuer: „Operation Medizinstudium“!

Nun ist es noch eine Woche bis zur Einführungswoche und dann fängt es endlich an. Ich bin gespannt, aber auch etwas nervös/ängstlich. Denn immer noch schwingt in mir die Sorge mit, dass ich mich für das „Falsche“ entschieden habe. Oder mich von dem Druck, der auf einen wartet, zerbrechen lasse. Außerdem denke ich, dass es komisch werden könnte, da ich eine andere Motivation als vermutlich die meisten anderen habe. Mich beflügelt vor allem die Fasznation des Körpers und der Medizin, also die naturwissenschaftlichen Fakten, und weniger die Aussicht, anderen zu helfen, also die praktizierende ärztliche Tätigkeit. Ich weiß nämlich noch überhaupt nicht, ob ich überhaupt eine praktische/klinische Karriere einschlagen möchte.

Auf jeden Fall ist es sehr lustig, was das Wort „Medizinstudium“ auslöst, wenn man von Verwandten oder Freunden der Eltern gefragt wird. Eine Reaktion ist: „Toll, ich wollte früher auch Medizin studieren, aber mein Schnitt war zu schlecht…“ und du wirst eingewickelt in eine Debatte über das frühere Schulsystem, persönliche Krisen und medizinische Detailanalysen. Eine andere :“ Du wirst die nächsten 10 Jahre lernen und so gut wie keine Freizeit haben“, wobei das vermutlich sogar zutrifft (Physikum, Examen, PJ, Assistenzarzt, Facharzt…). Und es gibt die Misepeter: „Ach, beim Medizinstudium lernst du doch nur auswendig und schaffst gar nichts Neues…“. Mit dem Auswendiglernen haben die recht, aber ich meine, es ist doch auch logisch, dass man erstmal alles Vorherige lernen muss (und bei Medizin geht das ja viele Jahre zurück) bis man an etwas Unbekanntem forschen kann.

Ich hoffe nur, dass ich keinen Fehler gemacht habe mit meiner Entscheidung, denn nichts desto trotz habe ich die Schönheit der Mathematik und Physik nicht vergessen.

Jetzt heißt es erst einmal: Den Studienanfang überstehen und dann weiter schauen.

Bis dahin,

euer medicalresearcher

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