Lang ist es her…. Teil I

Ich bin jetzt schon in der Mitte des zweiten Semesters und es ist so viel passiert, dass ich ein bisschen davon erzählen möchte. Allerdings muss ich das in Etappen machen.

Das erste Semster im Rückblick, Teil I:

Kaum zu fassen. Mein Leben ist auf einmal völlig anders geworden. Obwohl ich mir so unsicher bei dieser Entscheidung war, hat mich die Medizin vollständig in Beschlag genommen. Ich möchte euch von den Höhepunkten des ersten Semesters erzählen. Denn, und das betonen wir alle schon mit dem Traum vor Augen, wir sind jetzt (quasi) schon 1/12 Arzt (zumindest in unseren Gedanken 🙂 ).

Der Präperierkurs. Natürlich werde ich über meine Erfahrung berichten. Es ist das Thema, mit dem ich meine Eltern sehr schnell davon abbringen kann, mich irgendwas über das Studium zu fragen. Oder das Thema, über das man sich mit seinen Freunden stundenlang unterhalten kann. Wie aufgeregt war ich vor dieser ersten Stunde. Alle, die dir weismachen wollen: „Ach, das ist voll okay und nichts Komisches.“ Vergiss es. Nicht, dass ich jemandem Angst machen möchte. Man kann es nur mit nichts vergleichen, was man jemals getan hat. Denn es ist etwas völlig Neues. Etwas noch nie Erlebtes. Der Geruch. Das Licht. Den weißen Kittel, den du tragen musst. Die Kälte (zumindest, wenn du im WS anfängst). Der Reihe nach. Hier in Marburg fängt das 1. Semester mit den Extremitäten an. Trotz Vorlesungen, von denen es so gut wie unmöglich ist, etwas zu behalten, fühlst du dich sehr ahnungslos. Und bist es auch.

Mir hat der Terminologie Kurs und auch die Klausur sehr für Anatomie geholfen. Also: fleißig lernen! Denn wenn man weiß, dass der Nervus axillaris die seitliche, oberere Haut am Oberam sensibel innerviert, leitet sich der Name Nervus cutaneus brachii lateralis superior von ganz alleine her und du musst es nicht stumpf auswenig lernen.

Der Geruch: Für mich hatte der typische Geruch von Formaldehyd nichts süßliches oder was du so immer gelesen hast. Ich kann es nicht beschreiben, da ich es mit nichts anderem als Leichen assoziiere 😀 Ihr müsst es selber riechen, dann wisst ihr, was ich meine. Mir persöhnlich ist nicht schlecht davon geworden. An unserem ersten Tag ist aber wirklich eine umgefallen und musste rausgetragen werden. Nur Essen war so die ersten zwei Wochen komisch, da mich der Geruch von Tomaten daran erinnert hat… Mittlerweile kann ich aber wieder nach Herzenslust Tomaten essen.

Was ganz Tolles an dem Präpkurs: Du darfst den weißen Kittel tragen. Es ist komisch. Ich, die nie von der Medizin oder dem Arzt-Sein geträumt habe. Die, die immer Physik studieren wollte. Was macht die? Kittel gekauft und sofort ein Foto an die Eltern und Freunde geschickt. Es fühlt sich einfach nur gut an. Auch das ist etwas, das schwer beschreiblich ist. Aber wenn es mir schon so ging, wie muss es dann erst denen gehen, die jahrelang für diesen Traum gekämpft haben? Freue dich drauf!

Aber ein Tipp von mir: Wenn ihr auch im WS Präpkurs habt, dann zieht am besten einen dicken Pullover an (sonst wird es kalt!), der dreiviertel lange Ärmel hat. Denn keiner möchte einen Ärmel haben, der bei der Fettpräperation mit der Leiche in Berührung gekommen ist…

Der Präperierkurs an sich war einfach ein Erlebnis und vor allem die mündlichen Testate. Als wir das und die schriftliche Klausur bestanden hatten, hatten wir wirklich das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Und das war super! Aber wie lernt man jetzt Anatomie? Jeder ist ein anderer Lerntyp. Ich finde, im Nachhinein war es nicht nötig, in die Vorlesung zu gehen. Habe ich natürlich wie 90% meiner Kommilitonen gemacht, da jeder das Bild eines fleißigen Studenten im Kopf hat. Anatomie musst du einfach lernen. Das haben wir auch gemacht: Stur auswendig gelernt! Wenn du jeden Tag den Plexus brachialis und den Plexus lumbosacralis durchgehst, dann kannst du ihn auch! Leider vergisst du ihn auch sehr schnell wieder nach den Prfüungen 😦  Aber was soll’s, darf ich es zum Physikum eben nochmal lernen.

Auch hatte ich das absolute Glück, zwei sehr gute Freunde zu finden, mit denen ich lernen konnte. Gegenseitig abfragen hilft wirklich enorm und wenn man bei anderen den Patellasehnen-Reflex auslösen kann und wirklich versteht, was gerade passiert, ist das schon echt cool. Nebenwirkung: Wenn dir mal der Fuß einschläft, wirst du ab jetzt immer überlegen, ob du gerade den Nervus tibialis posterior oder doch eher den Nervus dorsalis pedis abgeknickt hast 😀

Willkommen im Leben eines Medizinstudentin! Ich muss sagen: Ich bereue es aktuell keine Minute mehr, nicht die Physik gewählt zu haben!

Der zweite Teil folgt!

Euer medicalresearcher

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