Plazenta – mein Lieblingsorgan…nicht

Boah,

also ich weiß nicht, wieso uns die Tutoren in der OE gesagt haben: „2. Semester wird chillig“.

Also…Ich weiß ja nicht, was andere Menschen unter chillig verstehen, aber… Nein!

Das war alles andere als chillig. Spaß hat es trotzdem gemacht, auch wenn ich das in der Klausurenphase niemals gesagt hätte. Es gab in diesem Semester zwei von den acht Prüfungen, die im Nachhinein die Wichtigsten für mich waren. Einmal die mündliche Histologie-Prüfung und die Physiologie-Klausur.

Erstmal zu Histo. An unserer Uni ist das so, dass du zu einem Prüfer zufällig zugeteilt wirst, von dem zwei Präparate bekommst und dann zehn Minuten geprüft wirst. Das mit den 10 min nehmen die Prüfer oft aber nicht so genau… Ein Freund war 55 min in diesem Saal drin; er wurde so 45 min geprüft.

Naja, jetzt erstmal ganz von vorne. Also ich kann eigentlich nicht sagen, dass wir zu spät mit lernen angefangen haben, denn zeitlich gesehen, waren wir noch relativ früh dran. Aber in der Medizin hat man schließlich nie genug Zeit. Falls jemand einen Post aus dem 1. Semester gelesen hat: Unsere dreier Lerngruppe hat sich dieses Semester zu einer Zweiergruppe aufgelöst, was ich aber recht angenehm fand, da man sich zu zweit weniger ablenkt, als zu dritt. Wir haben zuerst den ganzen Theorie Kram gemacht und uns danach die Präparate angeschaut, die wir online in einem Kurskasten haben.

Ich habe ziemlich schnell meine Lieblinge und meine Hassorgane herausgefunden 🙂 Sehr gerne hätte ich endokrine Organe bekommen, Leber, Pankreas, Blutausstrich oder irgendein lynphatisches Organ (außer Mandeln). Kopfdarm fad ich neutral, Rumpfdarm in Ordnung. Niere mochte ich anfangs gar nicht, am Ende war es ganz okay. Was ich auch hasste waren weibliche Geschlechtsorgane vor allem Plazenta außer Uterus, männliche fand ich okay.

Ich hatte vor der Prüfung wie fast jeder natürlich Angst davor, irgendwas zu bekommen, dass ich nicht erkennen würde. Außerdem gibt es an unserer Uni drei Professoren, von denen keiner geprüft werden will. Prof. K., Prof. C. und Frau Prof. S.. Alle gelten als streng und fragen extrem viel und detailreich, wobei ich am liebesten noch zu Frau Prof. S. wollte. Aber ich konnte es eh nicht beeinflussen. Am Tag der Prüfung stand ich sehr, sehr aufgeregt in der Schlange, mir war schlecht und ich wusste nicht, was ich mit meinem Leben noch anfangen soll 🙂 Von fast jedem hörte man: Nicht zu Prof.K. und nicht Plazenta haben. Dem konnte ich mich nur anschließen, denn Plazenta hatte ich als letztes gelernt und nicht so detaliert, wie ich zum Beispiel endokrine Organe aufsagen konnte.

Dann stand ich ganz vorne in der Schlange. Der nächste Prüfer, der frei wurde, würde meiner werden. Wer war das?

Natürlich! Ich kannte mein Glück bei so was: Prof. K. Er begrüßte mich ganz freundlich und legte mir meine zwei Präparate hin. Positiv: Ich konnte beide erkennen, ohne sie unters Mikroskop legen zu müssen. Negativ: Eins davon war Plazenta… (Das andere war Magen Corpus-Fundus Bereich).

Was ich in diesem Moment dachte, war tatsächlich: Ida, jetzt reiß dich zusammen und konzentrier dich. Also konzentrierte ich mich, fing mit Magen an, schrieb mir alles auf, was ich wusste. Und danach das selbe Spiel mit Plazenta. Prof. K. kam zu mir und ich sollte mit dem ersten anfangen. Ich nahm natürlich Magen und ratterte alles über den typischen Wandaufbau, Magendrüsen und die einzelnen Zellen runter. Dann sollte ich ihm eine Belegzelle einstellen. Er schaute durch und stellte mir anschließend den Meißner-Plexus ein, den ich benennen sollte, woraufhin ich ihm einfach auch noch den Auerbach-Plexus erklärte. Er schien mich zu mögen, denn am Ende des Magens sagte er: Sie reden ja, als würde man ein Lehrbuch lesen 😀 Ich freute mich und fing an, ein besseres Gefühl zu bekommen. Dann fragte er mich ein paar Spezialfragen von wegen, welches Antiobiotikum gibt man gegen Helicobacter Pylorus (irgendeine Trippeltherapie).

„Legen Sie das zweite Präparat auf.“ Plazenta. Ich hatte reife Plazenta und redete ersteinmal drauflos, da ich vermeiden wollte, dass er mir Fragen stellte und dann merkte, dass ich nicht so richtig Ahnung davon habe 😀 Zum Glück schien er mittlerweile wohlgestimmt zu sein. Ich stellte ihm unaufgefordert eine Terminalzotte ein, woraufhin er mit irgendwas kreisrundes einstellte. Ich hatte am Anfang nicht so Ahnung und sagte, es wäre ein fetales Blutgefäß. „Ja, aber wie nennen Sie die Struktur als Ganzes?“Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Er meinte einfach nur die Zotte im Querschnitt!

Er kam mir wieder mit komischen Spezialfragen an: Welches Immunglobulin ist plazentagängig (IgG) und was ist der Unteschied zwischen IgA und IgG? Er hatte mir ja gerade gesagt, dass IgG plazentagängig ist, also sagte ich folgsam: IgG ist plazentagängig und IgA nicht. Dann lachte er und sagte, dass sei richtig, aber nicht das, worauf er hinaus wollte. Irgendwas mit Dimeren und Polymeren…

Ihn störte es aber nicht, er sagte mir dann, dass er immer gerne austestet, wie weit jemand gelernt hat. Und dann kreuzte er auf meinem Zettel bestanden an.

Ich war danch so glücklich, ich hätte die ganze Welt umarmen können!

Ich hatte Plazenta und Prof. K. geschafft… Was sollte mich jetzt in der Klausurphase eigentlich noch schocken ? 😀

Die Geschichte zur Physio Klausur kommt bald,

bis dahin!

Euer medicalresearcher

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2 Gedanken zu “Plazenta – mein Lieblingsorgan…nicht

  1. anderer Michael schreibt:

    Medicalresearcher
    Nett beschrieben. In meinem Studium vor unendlich langen Jahren, wahrscheinlich fast das Doppelte Ihres Lebensalter, war die Histologieprüfung nicht so schwer.
    Wir hatten nur 50 Präparate in einem Kasten, den man sich nicht ausleihen konnte und nur während der festgesetzten Mikroskopiezeiten betrachtet werden konnte. In einem Raum mit vielleicht 100 Mikroskopen. Dort saßen wir vor den Präparaten Dazu wurden im Stil einer Vorlesung erläuternde Kommentare gegeben.Naturgemäß kann man dabei nur sehr oberflächlich sein.
    Wenn bei Ihnen die Präparate online gestellt sind, dürfte vermutlich das logistische Problem gelöst und eine große Menge vorhanden sein,die viel detaillierter besprochen wurden.
    Wieviele waren es denn?

    Gefällt 1 Person

  2. medicalresearcher schreibt:

    Lieber ANDERER MICHAEL,

    das hört sich tatsächlich noch etwas an, als es bei uns der Fall war.
    Wir hatten im 2. Semester 100 Präparate, die prüfungsrelevant waren. Außerdem hatten manche Professoren selbst gefärbte Präparate, die auch dran kommen konnte (schließlich sollen die Studenten ja erkennen und nicht nur auswendig lernen 😀 )
    Unser Histologie Kurs war wie Ihrer beschrieben. Man hörte die Vorlesung sozusagen nochmal und guckte gleichzeitig durchs Mikroskop vor der eigenen Nase. War bei uns eher einschläfernd…
    Und freies Mikroskopieren gab es bei uns auch, hat vermutlich aber kaum jemand wahr genommen – zu Hause am Laptop ist dann doch gemütlicher… 🙂

    Liebe Grüße
    Ihr medicalresearcher

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