Alles easy peasy lemon squeezy

Drittes Semester lebend überstanden?

Jaa…

War aber knapp

Mein Glück bei Prüfern in mündlichen Prüfungen setzte sich natürlich wieder fort. Ich hatte eine junge, absolut übermotivierte Doktorin, die auch noch bei unserem Chef der Anatomie gelernt hatte. Wenn es einen Anatomie-Gott gibt, der auf seine Medizin-Stundenten aufpasst, dann habe ich ihm etwas sehr böses angetan. War ich nicht oft genug in der Mediziner-Kirche und habe gebetet für ein bisschen Gnade in der nächsten Prüfung? Habe ich gesündigt, weil ich letztens beim lernen aus Versehen gesagt habe, dass der 9. Hirnnerv der Nervus vagus war? Dabei bin ich sogar extra zum Beichtstuhl nach der Sonntagsmesse gegangen und habe laut Anweisung des Anatoms 50 mal gesagt: Verzeih mir lieber Nervus glossopharyngeus, nur du bist der Neunte und kein anderer.

Wahrscheinlich habe ich in meinem früheren Leben im Präpkurs den N. ischiadicus durchgeschnitten (wie das ein neuer Ersti dieses Semester wohl geschafft haben soll. Wie schafft man das? Ich meine: Ischiadicus = kleiner Baumstamm?) oder den Tractus iliotibialis („der heilige Grahl der Anatomen“ wie uns im 1. Semester gesagt wurde).

So oder so ähnlich.

Zumindest war ich wieder einmal mit reichlich Frust ausgestattet am Anfang des Anatomie Lernens. Wobei ich zugeben muss, dass es schon ein wirlich erhebendes Gefühl war, das Herz aus dem Perikard zu nehmen oder die Niere aufzuschneiden: „einfach wie ein Sonntagsbrötchen der Länge nach aufschneiden“ sagte meine besagte Professorin. Haha, witzig. Haben Sie mich schon mal seit Anfang des Semesters etwas anderes als trockene Cornflakes mit Wasser zum Frühstück essen sehen? Sonntagsbrötchen…

Vor allem, weil man so wunderbare Horrorgeschichten über die Dozentin gehört hat. Sie soll im ersten Semester nach drei Minuten Prüfung gefragt haben: „Sind Sie nur aufgeregt oder haben Sie einfach nicht gelernt?“ Fragt sie einen Ersti!

Eine andere Prüfung endete mit der Frage: „Ich nehme an, die schriftliche Prüfung haben Sie nicht bestanden?“ Was soll so etwas?

Aber vielleicht ist das auch mal wieder einfach nur Schicksal, dass ich immer solche bekomme. Es gibt nämlich auch „gute“ Professoren, die sehr fair fragen. So sollte eigentlich jeder sein. Leider reines Wunschdenken. Auf jeden Fall hatte ich ziemlich Respekt vor der Dozentin. Nachdem ich die schriftliche bestanden hatte, mahnte ich mich dazu mich jetzt nicht verrückt machen zu lassen.

Mein Glück war, dass sie mich mochte. Wahrscheinlich dachte sie, ich könne alles oder so. „Sie sind mein nächstes Opfer. Erzählen Sie mir den embryonalen Blutkreislauf“, fing die Prüfung. Ich atmete tief durch und redete los. Dabei vergas ich die Hälfte vor Aufregung. Sie drückte mir die Leber in die Hand und sagte: „Was für einen Umgehungskreislauf haben wir hier denn?“ Upps, hatte ich mal eben so das wichtigste vergessen. „Ductus venosus“, presste ich schnell raus. „Was haben wir am Herzen für Besonderheiten?“, ging es weiter. Bekam ich irgendwie hin und überspielte es gekonnt, dass ich eigentlich nicht richtig die Lage des Foramen ovale zeigen konnte. Ich steckte einfach meine Finger ins Herz und redete dabei theoretisch weiter.

Es ging zum offenen Schädel. Sie zeigte nacheinander auf verschiedene Augenmuskeln und ich sollte sie ansagen. Das klappte gut. 9 und 10 Hirnnerv. Ja, Anatomie-Gott, der 9 ist der N. glossopharyngeus und der 10. der N. vagus. Gott schien zufrieden zu sein und war so gnädig, mich aus der Prüfung zu entlassen, nachdem ich die klinischen Ausfälle der zwei Nerven erklärt hatte.

Der Adrenalinkick, Endorphine, Glückshormone, was auch immer, machte die ganze Lernerei der letzten 2 Monate wett. Ich hatte bestanden.

Dann wartete im 3. Semester nur noch die Physiologie-Klausur. Darüber möchte ich gar nicht ausholen, weil Physio erstens sehr gut geklappt hatte (bestanden!) und zweitens es nichts besonderes gab. So schnell war ich aus der Klausurphase des 3. Semesters entlassen. Der Tag danach war so nach dem Motto: „Cool und was mache ich jetzt mit meinem Leben?“ So viel freie Zeit hatte ich seit September nicht mehr. Auch wenn wir uns zwischendurch mal einen Tag Pause gegönnt haben, war es etwas vollkommen anderes, keinen Druck mehr auf sich lasten zu haben.

So, jetzt habe ich euch endlich mal wieder geupdatet. Da ich in diesem Jahr (Oh mein Gott!) schon Physikum schreiben werde, wird es mit Sicherheit bald noch mehr (mehr oder wenige) lustige Prüfungsgeschichten geben.

Alles Liebe bis dahin.

Euer medicalresearcher

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s